Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Dein Sparbuch zeigt 1,60 % Zinsen. Klingt nach einem Gewinn. Und trotzdem bist du real ärmer geworden. Wie kann das sein? Die Antwort liegt in einer einzigen Kennzahl, die viele Anleger übersehen: der Realrendite. Sie zeigt nicht, wie viele Euro auf deinem Konto dazugekommen sind – sondern wie viel du dir mit diesem Geld tatsächlich noch leisten kannst.
Was ist die Realrendite?
Die Realrendite ist die Rendite einer Geldanlage nach Abzug der Inflation. Sie beantwortet die einzige Frage, die am Ende wirklich zählt: Hat sich meine Kaufkraft erhöht, oder habe ich in Wirklichkeit Geld verloren, obwohl mein Kontostand gestiegen ist?
Zur Abgrenzung:
- Nominalrendite: der reine Wertzuwachs in Euro, ohne jede Berücksichtigung von Inflation oder Steuern. Das ist die Zahl, die auf deinem Kontoauszug oder in der Bank-App steht.
- Nettorendite: die Nominalrendite nach Abzug von Kosten und Steuern (in Österreich: Kapitalertragsteuer, KESt).
- Realrendite: die Nettorendite, zusätzlich bereinigt um die Inflation. Das ist die einzige Zahl, die deine tatsächliche Kaufkraftentwicklung zeigt.
Die Formel
Die exakte Berechnung erfolgt über die sogenannte Fisher-Formel:
Realrendite = ((1 + Nominalrendite) ÷ (1 + Inflationsrate)) − 1
Eine oft verwendete Faustregel lautet vereinfacht: Realrendite ≈ Nominalrendite − Inflationsrate. Diese Näherung ist bei niedrigen, einstelligen Prozentsätzen brauchbar, wird aber bei höherer Inflation zunehmend ungenau – deshalb rechnen wir im Folgenden immer mit der exakten Fisher-Formel.
Rechenbeispiel: Bei 4,0 % Nominalrendite und 2,0 % Inflation ergibt sich: (1,04 ÷ 1,02) − 1 = 1,96 % Realrendite – nicht die 2,0 %, die die einfache Faustregel liefern würde.
Die aktuelle Lage in Österreich (Stand Juli 2026)
Die Inflationsrate in Österreich lag im Juni 2026 laut Statistik Austria bei 3,2 % – nach einem zwischenzeitlichen Anstieg auf 3,7 % im Mai. Zum Vergleich: Die Europäische Zentralbank strebt langfristig eine Inflation von 2,0 % an. Damit liegt Österreich weiterhin spürbar über dem Zielwert, was für die Realrendite jeder Geldanlage direkt relevant ist – vor allem für klassische Sparformen, deren Zinsen mit dieser Inflationsrate mithalten müssen, um überhaupt keinen Kaufkraftverlust zu bedeuten.
Ein wichtiger Punkt für Österreich, den viele übersehen: Bei der Besteuerung von Kapitalerträgen wird unterschieden. Zinsen auf Spareinlagen und Verrechnungskonten werden mit 25 % KESt besteuert, während Kursgewinne und Dividenden aus Wertpapieren (Aktien, ETFs, Fonds) mit 27,5 % KESt belegt werden. Für eine korrekte Realrenditen-Berechnung darfst du diesen Unterschied nicht ignorieren.
WWas bleibt von deinem Sparzins real übrig?
Die folgende Tabelle zeigt, wie sich unterschiedliche, aktuell in Österreich verfügbare Verzinsungen nach Steuern und nach der Inflationsrate von 3,2 % (Juni 2026) tatsächlich auswirken:
| Anlageform | Nominalzins/-rendite | Nach KESt | Realrendite |
|---|---|---|---|
| Girokonto/unverzinstes Sparbuch | 0,01 % | 0,01 % (25 % KESt) | −3,09 % |
| Solides Tagesgeldkonto | 1,60 % | 1,20 % (25 % KESt) | −1,94 % |
| Bestandskunden-Zins bei einem Neobroker | 2,25 % | 1,69 % (25 % KESt) | −1,47 % |
| Breiter Aktien-ETF (historischer Schnitt ~7 % p.a.)* | 7,00 % | 5,08 % (27,5 % KESt) | +1,82 % |
| Börsenbrief-Depot „Der Langfristige“ (Ø-Rendite)* | 13,00 % | 9,43 % (27,5 % KESt) | +6,03 % |
Historische Durchschnittswerte sind keine Garantie für zukünftige Erträge und schwanken je nach Zeitraum und Marktphase teils erheblich. Die Ø-Rendite des Börsenbrief-Depots „Der Langfristige“ bezieht sich auf die bisherige Wertentwicklung und ist ebenfalls keine Garantie für die Zukunft.
Die zentrale Erkenntnis: Selbst solide Verzinsungen auf Cash-Guthaben in Österreich reichen bei einer Inflation von 3,2 % nicht aus, um die Kaufkraft zu erhalten – sie verlangsamen den Kaufkraftverlust nur. Ein breiter Aktien-ETF schafft es historisch knapp ins Plus, während eine aktiv gesteuerte Strategie wie „Der Langfristige“ deutlich mehr Puffer über der Inflation aufbauen kann. Wie groß dieser Unterschied über die Zeit tatsächlich wird, zeigt die folgende Grafik.
Was auffällt: Nach 30 Jahren wird der Unterschied brutal sichtbar – aus 10.000 € werden auf dem Sparbuch real nur noch 3.900 €, während „Der Langfristige“ auf 57.935 € real anwächst. Das ist fast der 15-fache Wert, obwohl beide mit denselben 10.000 € gestartet sind – reiner Zinseszinseffekt über drei Jahrzehnte.
Warum das für deine Finanzplanung entscheidend ist
Wer nur auf die Nominalrendite schaut, überschätzt systematisch, wie schnell sein Vermögen wächst. Ein Beispiel aus der Praxis: Wer heute 50.000 € auf einem durchschnittlich verzinsten Tagesgeldkonto liegen hat, verliert bei anhaltender Inflation von rund 3 % pro Jahr real spürbar an Kaufkraft – über zehn Jahre kann das mehrere tausend Euro an realem Vermögen bedeuten, obwohl der Kontostand in Euro sogar gestiegen ist.
Das ist auch der Grund, warum in der Finanzplanung nie mit der Nominalrendite, sondern immer mit der Realrendite gerechnet werden sollte – insbesondere bei langfristigen Zielen wie dem Vermögensaufbau für die Pension. Nur so lässt sich seriös abschätzen, wie viel Kaufkraft ein bestimmtes Sparziel in 10, 20 oder 30 Jahren tatsächlich haben wird.
So rechnest du deine eigene Realrendite
- Nominalrendite ermitteln: Wertzuwachs deiner Anlage in Prozent, inklusive Zinsen, Dividenden oder Kursgewinnen.
- Steuern abziehen: In Österreich 25 % KESt auf Zinserträge bzw. 27,5 % KESt auf Kursgewinne und Dividenden aus Wertpapieren – ergibt die Nettorendite.
- Aktuelle Inflationsrate einsetzen: Die tagesaktuelle Rate findest du bei Statistik Austria (statistik.at).
- Fisher-Formel anwenden: (1 + Nettorendite) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1.
Fazit
Die Realrendite ist unbequem, weil sie oft ernüchternde Zahlen liefert – aber genau deshalb ist sie die einzige Kennzahl, die für eine seriöse Finanzplanung zählt. Bei einer Inflation von aktuell 3,2 % reicht es nicht mehr, einfach nur „etwas Zinsen“ zu bekommen. Es braucht eine Anlagestrategie, die realistische Chancen hat, die Inflation nach Steuern tatsächlich zu schlagen.
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Hinweis: Investitionen in Finanzprodukte sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Historische Renditen sind keine Garantie für die Zukunft. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand Juli 2026.
